Ich denke der Fall hat eindeutig gezeigt, dass Depression nach wie vor eine tabuisierte und deshalb auch oft falsch eingeschätzte Krankheit zu sein scheint.
Wenn diese Krankheit erstmal ein extremes Stadium erreicht hat, kann das zu einer absoluten Perspektivlosigkeit führen, die dann den Selbstmord als einzige Alternative vorgibt. Von daher denke ich, hier verwechseln viele Feigheit mit dieser – krankheitsbedingten – Perspektivlosigkeit.
Senomis hat geschrieben:
Ich kann das immer noch nicht verstehen. Bevor ich auf so eine Idee käme, würde ich alles zusammenkratzen, den Rucksack schultern und in der Ferne nach grundlegender Veränderung suchen.
Das heißt auch, "ein neues Leben anfangen" ist in der Situation für den betroffenen bereits keine Alternative mehr, da auch hierfür jegliche Perspektive fehlt.
Bad_Clown hat geschrieben:
Aber ich verstehe nicht, warum er seine Depressionen geheim gehalten hat. Ist das jetzt so schlimm?
Das Ehepaar Enke hat sich gemeinsam dafür entschieden, die Krankheit u.a. deshalb nicht publik werden zu lassen, weil sie befürchtet haben, in diesem Zusammenhang das Sorgerecht für die adoptierte Tochter zu verlieren.
Dabei hätte Enke vor allem mehr Unterstützung gebraucht – die Angst vor den Konsequenzen, wenn er seine Krankheit publik gemacht hätte, hat die Situation bestimmt nicht verbessert.
Meine Bewunderung hat in jedem Fall die Frau des Verstorbenen, die sich inmitten ihrer Trauer dazu entschlossen hat, die Öffentlichkeit sehr schnell in einer
Pressekonferenz über die Hintergründe zu informieren.
Hoffentlich ist es ihr damit gelungen, die Leute ein wenig wachzurütteln und zu mehr Akzeptanz und einem offeneren und hilfreicheren Umgang mit dieser Krankheit heranzuführen.